Ein Wildwuchs an immer neuen ETF kann den Blick auf das wirklich Wichtige versperren. Wieso mir drei Aktienprodukte genügen.
Eine der grössten Herausforderungen von Anlegern ist mittlerweile, den Anteil von US-Aktien auf ein
John Angelillo / Imago
«Wer soll all diese Produkte kaufen?», geht mir manchmal durch den Kopf, wenn ich die Liste der neu kotierten Exchange-Traded Funds (ETF) durchstöbere. Allein über die Schweizer Börse sind mittlerweile mehr als 2000 ETF erhältlich mit immer spezifischeren Anlagethemen.
Nein, ich habe nicht sehnsüchtig darauf gewartet, dass ich beim Kauf von US-Staatsanleihen-ETF nach Laufzeiten abstufen kann; also die Wahl habe zwischen 1 bis 3 Jahren, 4 bis 7 Jahren und 7 bis 10 Jahren. Ich will gar keine Treasuries halten. Und wenn der zehnte ETF mit europäischen Waffenunternehmen an den Start geht, ist dieses Anlagethema bestimmt schon ziemlich ausgereizt.
Es braucht wieder einmal einen richtigen Crash
Manchmal denke ich, dass es wieder einmal einen Börsencrash braucht, der diesen Namen auch verdient, um den Produkte-Wildwuchs einzudämmen.
Doch bei einem Fonds, den die UBS vor kurzem auf den Markt gebracht hat, dachte ich erst, er könne nützlich sein. Der ETF bildet den MSCI-USA-Ex-Mega-Cap-Specified-Index ab. Auf gut Deutsch: Dieses Produkt erlaubt eine Investition in die US-Börse unter Ausklammerung von Monsterfirmen wie Nvidia, Microsoft und Co. Die grösste Position im ETF ist der Energiekonzern Exxon mit einem Gewicht von rund 1,5 Prozent.
Auf diese Weise kann man die Klumpenrisiken verringern, die namentlich von den «Mag 7», den sieben grössten Techfirmen, ausgehen. Doch muss eine gute Diversifikation nicht auch Nvidia, Microsoft und Co. einschliessen – einfach mit viel weniger Gewicht als ihre tatsächliche Börsenkapitalisierung? Ja, natürlich. Kurz: Ein USA-Ex-Mega-Cap-Produkt mag für Profi-Anleger wie Pensionskassen oder Versicherungen einen Zweck erfüllen – für mich sehe ich keine Verwendung.
Eine der besten Innovationen bei ETF finde ich noch immer jene Produkte, die erlauben, in gleichgewichtete Indizes zu investieren. Wo also Apple-Aktien exakt das gleiche Gewicht haben wie die Titel von Nike oder Starbucks. Alle grossen ETF-Anbieter führen mittlerweile solche Equal-Weight-Produkte im Sortiment.
Sie machen das Investieren wieder einfach, weil man mit lediglich zwei oder drei Aktien-ETF ein hervorragend diversifiziertes Portefeuille hinbekommt – in dem weder US-Aktien noch die grossen Techfirmen dominant sind.
40 Prozent US-Aktien genügen
Mein Lieblingsprodukt heisst MSCI World Equal Weight. Der Index enthält rund 1300 Aktien von Unternehmen aus 23 Industrieländern. Der Mechanismus der Gleichgewichtung sorgt automatisch auch für eine vernünftige Länderzusammensetzung: US-Aktien kommen auf gut 40 Prozent – und nicht auf 70 Prozent wie in herkömmlichen Indizes.
Natürlich würde ich diesen Index, der nur etwas mehr als 3 Prozent Schweizer Werte enthält, um einen ETF mit heimischen Titeln ergänzen: Und zwar mit einem Produkt, das auf kleine und mittelgrosse Aktien setzt, zum Beispiel den SMIM- oder SPI-Mid-Index abbildet. So gibt es garantiert keine Überschneidungen mit dem MSCI World, in dem die Aktien von grossen Firmen vertreten sind. Als Garnitur kommt dann noch ein Schwellenländer-ETF obendrauf, und gut ist.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»





