Der Dollar hat gegenüber allen wichtigen Währungen an Wert verloren. Der Zollkrieg hat ihm geschadet. Für den Schweizerfranken gilt das Gegenteil – mit einer Ausnahme.
Der Franken bleibt eine der stabilsten Währungen der Welt.
Christian Beutler / Keystone
Der Dollar hat 2025 seine Funktion als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten verloren, der Franken hat sie wieder bestätigt. Das lag auch daran, dass die USA der Auslöser für erhebliche wirtschaftliche Verwerfungen waren, etwa weil sich die Handelspolitik massiv geändert hat.
Die Vereinigten Staaten waren über Jahrzehnte der Treiber für den Abbau von Handelshemmnissen. Das änderte sich spätestens am 2. April. An diesem Tag gab Präsident Donald Trump ein neues Zoll-Regime gegenüber vielen Ländern und Regionen bekannt. Zwar fielen die eingangs von ihm in Aussicht gestellten Zölle später meist deutlich niedriger aus. Doch der durchschnittliche Zollsatz stieg von 2,3 auf 14 Prozent. Das ist ein Niveau, wie es letztmals 1939 erreicht worden war.
Deutliche Abschwächung des Dollars
Diese Entwicklung erschütterte die Märkte und sorgte für einen Sinkflug des Dollars. Der «Greenback», wie die US-Devise aufgrund ihrer Farbe auch genannt wird, verlor gegenüber allen 15 weltweit bedeutenden Währungen an Wert, am stärksten gegenüber der schwedischen Krone (–20 Prozent), dem mexikanischen Peso (–16) und dem Schweizerfranken (–14). Nur gegenüber dem Yen ermässigte sich der Dollar kaum.
Die Zäsur im April prägte das gesamte Jahr, eine signifikante Erholung gelang dem «Greenback» nicht mehr. Thomas Stucki, Chief Investment Officer der St. Galler Kantonalbank, hält den Einbruch des Dollars für eine der prägendsten Entwicklungen des Finanzjahres 2025. Handelsgewichtet habe die Währung rund 7 Prozent an Wert verloren.
«Aus Sicht des Frankens war 2025 dagegen ein eher unspektakuläres Jahr», sagt Karsten Junius im Gespräch. Die SNB habe jedoch im zweiten Quartal im Handel mit dem Dollar am Devisenmarkt interveniert – und zwar aus seiner Sicht «im Ausmass angemessen und begrenzt», ergänzt der Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin.
Der Euro verlor gegenüber dem Franken im Jahresverlauf letztlich rund ein Prozent an Wert. Junius verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Zinsdifferenz zwischen dem Franken- und dem Euro-Raum mit rund 2,6 Prozentpunkten ein extrem hohes Niveau erreicht habe, das höchste seit der deutschen Wiedervereinigung.
Das britische Pfund, der chinesische Renminbi und der japanische Yen gaben dagegen mit 5 Prozent, 9 Prozent und 12 Prozent deutlich mehr nach. Relative Stärke zum Franken zeigten nur wenige Währungen, beispielsweise die schwedische Krone.
Die Geldpolitik in den unterschiedlichen Wirtschaftsräumen spielte im vergangenen Jahr eher eine untergeordnete Rolle bei der Wechselkursentwicklung. Zum einen waren andere Themen wichtiger, zum anderen setzten die Schweizerische Nationalbank (SNB), die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) allesamt ihren Zinssenkungszyklus fort.
Die SNB reduzierte die Leitzinsen in zwei Schritten um je 0,25 Prozentpunkte auf 0 Prozent, die EZB senkte viermal um den gleichen Wert auf 2 Prozent, und das Fed nahm drei Senkungen um 0,25 Prozentpunkte auf ein Zielband von 3,5 bis 3,75 Prozent vor.
Für 2026 rechnen Marktteilnehmer überwiegend damit, dass die SNB keine weiteren Zinsschritte vornimmt. Die Notenbank selbst hat betont, dass sie eine relativ hohe Hürde sieht, um das Zinsniveau wieder in den negativen Bereich zu drücken. Manche Beobachter erwarten einen ersten Zinsschritt nach oben für Anfang 2027.
Ähnlich sieht es in der Euro-Zone aus. Gemessen an den Derivatemärkten rechnen Marktteilnehmer derzeit nicht mit einer Zinssenkung im kommenden Jahr. Die EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte vor einigen Wochen angedeutet, dass der nächste Zinsschritt der Währungsbehörde eine Zinserhöhung sein könnte.
Mit weiteren Zinssenkungen rechnen Beobachter dagegen in den USA. Dort erwarten die Marktteilnehmer zwei Zinsreduktionen um je 0,25 Prozentpunkte, nämlich im April und im Juli. Für Unsicherheit sorgt jedoch der Wechsel an der Spitze der US-Notenbank, da die Amtszeit des Präsidenten Jerome Powell im Mai endet. An ihm liess Präsident Trump in den vergangenen Monaten kein gutes Haar, weil er Powells Geldpolitik für zu restriktiv erachtete. Deutlich sinkende Leitzinsen würden den Dollar im internationalen Handel wieder unter Druck setzen.
Entscheidung über neuen Fed-Präsidenten
Die weitere Entwicklung des «Greenback» hängt laut Stucki auch sehr davon ab, wie stark es Donald Trump gelingt, die Kontrolle über die Zinspolitik des Fed zu übernehmen. Ein wichtiges Puzzleteil sei die Wahl des Nachfolgers von Powell. Marktteilnehmer spekulieren darüber, dass ein neuer Fed-Chef bereits in seiner ersten Sitzung im Juni als Signal einer neuen Zeitrechnung die Zinsen senken könnte.
Interessant wird sein, ob der von Trump ausgewählte Powell-Nachfolger die anderen Mitglieder des zinsbestimmenden Fed-Gremiums auf Linie bringen kann oder ob es grösseren Widerstand gegen eine mögliche Politik des schwachen Dollars gibt. Mit einer Revolte rechnen Ökonomen jedoch nicht. Laut Junius zeigten mehrere Gegenstimmen bei den jüngsten Zinsentscheiden allerdings, dass der Meinungspluralismus zunehme. Junius geht für 2026 von einer geringfügigen Erstarkung des Frankens gegenüber dem Euro und dem Dollar aus.
Sie können Michael Rasch auf den Plattformen X, Linkedin und Xing folgen.





