So heftig die Ankündigung, so ruhig die Reaktion. Donald Trumps Ankündigung vom Samstag, Einfuhren aus der EU mit einem Zoll von 30 Prozent zu belasten, bringt die Finanzmärkte kaum aus der Ruhe.
Die an den Finanzmärkten seit Wochen anhaltende Zuversicht, dass es Donald Trump mit seiner Zollpolitik am Schluss doch nicht gar so ernst meinen wird, hat am Wochenende einen weiteren Dämpfer erhalten. Die Ankündigung aus Washington, Einfuhren aus der EU und Mexiko ab Anfang August mit einem Zoll von 30 Prozent zu belasten, zerstörte aufkeimende Hoffnungen auf eine baldige Vereinbarung zur Entschärfung des Handelskonfliktes.
Chinas Exportdaten beflügeln
Doch es ist nicht das erste Mal, dass Trump den Zollstreit eskalieren lässt. An den Märkten nimmt man die neueste Volte denn auch vergleichsweise gelassen. Die Überzeugung dominiert, dass Amerikas jüngste Drohungen gegenüber den beiden wichtigen Handelspartnern EU und Mexiko wohl mehr mit Verhandlungstaktik als mit konkreten Absichten zu tun haben. Entsprechend milde sind am Montagmorgen die Marktreaktionen ausgefallen.
In Fernost legten chinesische Aktien nach Massgabe des CSI-300-Indexes zu Wochenbeginn leicht zu. In Hongkong und Japan entwickelten sich die Kurse derweil flach. Für Zuversicht sorgten in Fernost neu veröffentlichte Handelsdaten. Diese zeigen, dass sich Chinas Handel im Juni stärker als erwartet erholt hat – dies vor dem Hintergrund des brüchigen Waffenstillstands im Zollkrieg zwischen China und den USA.
Auch der Devisenmarkt reagiert bisher gedämpft auf Trumps jüngste Zolldrohungen. So hat sich Euro sowohl gegenüber dem Franken als auch dem US-Dollar nur moderat abgeschwächt. Der Euro wird derzeit zu 1.1673 Dollar gehandelt, nach 1.1688 am Freitagabend. Zum Franken hat sich der Euro auf 0,9308 von 0,9317 nur minim verbilligt. Der Dollar hat derweil zum Franken auf 0,7974 von 0,7971 leicht zugelegt. Grosse Sprünge sind das nicht.
Ruhige Aktienmärkte
An den westlichen Aktienmärkten zeichnet sich zu Wochenbeginn ebenfalls kein Ausverkauf ab. Die Futures-Kontrakte für die europäischen Handelsplätze deuten auf einen Kursrückschlag in der Grössenordnung von etwa 0,6 Prozent hin; jene für den amerikanischen Aktienmarkt legen ein Minus um 0,4 Prozent nahe. Angesichts der Rekordstände, welche die US-Börse vergangene Woche verbucht hatte, sind das geringe Korrekturen, die zum Teil auch technisch zu erklären sind.
Zur Beruhigung des Marktes beigetragen hat, dass die EU im Zollstreit mit Gegenmassnahmen zuwarten will und damit keine unmittelbare Eskalation absehbar ist. Die Renditen für amerikanische Staatsanleihen sind dennoch über sämtliche Laufzeiten hinweg gestiegen, wobei die Rendite für zehnjährige Anleihen über 4,4 Prozent kletterte. Es ist dies ein weiteres Indiz, dass Trumps Überzeugung, höhere Zölle würden den Staatshaushalt stabilisieren, von den Finanzmärkten nicht geteilt wird.





