Der Abbruch der Verhandlungen zwischen den USA und Iran und die Lage an der Strasse von Hormuz sorgen für Unsicherheit. Der Ölpreis springt auf über 100 Dollar, und Investoren fürchten eine Stagflation.
Die fragile Lage an der Strasse von Hormuz sorgt für Unsicherheit an den Finanzmärkten.
Nasa/GSFC
Die gescheiterten Verhandlungen zum Iran-Krieg sowie die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Blockade der Strasse von Hormuz sorgen für Verunsicherung an den Finanzmärkten.
Die Nervosität stieg am Montag noch, nachdem Iran angekündigt hatte, alle Häfen im Persischen Golf und in der Nähe ins Visier zu nehmen, wenn seine Schiffslandestellen bedroht würden. In der vergangenen Woche hatten sich die USA und Iran noch auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt.
«Dass die Verhandlungen am Wochenende abgebrochen wurden, ohne dass ein neuer Termin vereinbart wurde, ist kein gutes Zeichen», sagt Gero Jung, Leiter der Anlagestrategie bei der Walliser Kantonalbank. «Nun ist die Unsicherheit weiter da, und die Finanzmärkte mögen keine Unsicherheit.» Der Waffenstillstand sei ultrafragil, und für eine Entwarnung sei es viel zu früh, sagt auch Thomas Rühl, der Anlagechef der Schwyzer Kantonalbank (SZKB).
1. Ölpreise schiessen nach oben
Dies zeigt sich vor allem an den Ölpreisen. Nach dem Scheitern der Verhandlungen schossen sie in die Höhe, der Preis für die Nordseesorte Brent legte um mehr als 7 Prozent zu und notierte am Montagmittag bei 102 Dollar pro Fass. Die 100-Dollar-Marke gilt immer wieder als psychologisches Signal.
«Jeder Trade an der Börse ist momentan ein Öl-Trade», sagt Rühl. Dies habe an den Finanzmärkten auch zu den Zeiten der Ölkrisen gegolten, und nun sei es wieder so. Öl und Gas steckten in vielen Gütern und Dienstleistungen, deshalb habe der Ölpreis grosse Bedeutung für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Folglich hänge auch vieles von der Passierbarkeit der Strasse von Hormuz und vom Zustand der Energieinfrastruktur im Nahen Osten ab. Letztere sei indessen in dem Krieg erheblich beschädigt worden, sagt Rühl. Deshalb werde sich die Lage nicht schnell normalisieren lassen.
Hohe Energiepreise wirken sich negativ auf das Wachstum der Weltwirtschaft aus und erhöhen ausserdem die Inflation. Rühl sieht steigende Gefahren für die Entwicklung einer Stagflation – also eine stagnierende Wirtschaft bei gleichzeitig höheren Teuerungsraten. «Für Finanzanlagen sind Stagflationsszenarien meistens sehr schädlich», sagt er. Folglich habe die SZKB die Übergewichtung von Aktien aufgehoben und positioniere sich defensiver.
2. Aktienbörsen geben nach – aber weniger stark als befürchtet
Am Montag gaben die Aktienbörsen in der Schweiz und in Europa nach. Das Schweizer Standardwerte-Barometer SMI verlor bis zum Nachmittag 0,8 Prozent, der Index der 50 grössten kotierten Unternehmen der Euro-Zone, der Euro-Stoxx 50, lag mit 1,2 Prozent im Minus.
Dabei dürfte auch die jüngste aggressive Rhetorik vonseiten Irans eine Rolle spielen. «Es deutet einiges darauf hin, dass die Spannungen in den kommenden Tagen weiter zunehmen», sagt Jung.
Der Anlageexperte wertet die Rückgänge indessen noch als überschaubar. «Angesichts der vorhandenen Unsicherheit ist der Effekt auf die Aktienbörsen noch relativ limitiert», sagt er. Einer der Gründe hierfür sei, dass viele Investoren in der vergangenen Woche nicht darauf gewettet hätten, dass die Verhandlungen zwischen den USA und Iran am Wochenende einen Durchbruch bringen würden – folglich hielten sie sich im Vorfeld auch mit Aktienkäufen zurück und müssten diese nun nicht rückgängig machen.
«Die meisten Marktteilnehmer haben sich trotz der Feuerpause skeptisch gezeigt», sagt Jung. Auch Rühl sieht einige Hürden auf diesem Weg: «Die beiden Seiten sind sehr weit auseinander.»
3. Dollar steigt gegenüber anderen Währungen
Derweil hat der Dollar seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs gegenüber vielen anderen Währungen zugelegt. Der Dollar-Index – ein Barometer, das den Wert der US-Währung gegenüber einem Korb von internationalen Devisen angibt –, ist seit dem Start des Kriegs Ende Februar um 1,4 Prozent auf 99 Punkte gestiegen.
Viele Investoren sähen die amerikanische Währung immer noch als sicheren Hafen, sagt Jung. Dies sei typisch für Zeiten mit erhöhten geopolitischen Spannungen. «Darin zeigt sich klar die derzeitige Risikoaversion der Investoren», sagt er.
Rühl sieht indessen einen anderen Hauptgrund für den jüngst stärkeren Dollar – Öl wird in Dollar gehandelt, und die Preise für den Rohstoff haben stark zugelegt. Zudem hätten die höheren Energiepreise den Phantasien vieler Marktteilnehmer, die US-Notenbank Federal Reserve könnte bald die Zinsen senken, einen Dämpfer erteilt. Auch die jüngsten Inflationszahlen aus den USA sprechen gegen eine baldige Lockerung. Im März ist die Inflationsrate in den USA von 2,4 Prozent auf 3,3 Prozent gestiegen, als Hauptfaktor hierfür gelten die gestiegenen Benzinpreise.
Ein Grund für den stärkeren Dollar könnten auch die Renditen von amerikanischen Staatsobligationen sein. Diese seien für viele Investoren attraktiv, sagt Jung. Zehnjährige amerikanische Staatspapiere brachten am Montag eine Rendite von 4,33 Prozent. Als Schuldner seien die USA indessen mit dem Iran-Krieg keineswegs sicherer geworden, sagt Rühl. Vielmehr ist die amerikanische Staatsverschuldung durch die hohen Ausgaben für den Krieg noch gestiegen.
4. Goldpreis erneut schwächer
Der Goldpreis hat sich indessen seit dem Ausbruch des Kriegs anders entwickelt, als viele erwartet hatten – er hat deutlich nachgegeben. Am Montag sank der Preis für das Edelmetall bis zum Nachmittag erneut um 0,8 Prozent auf 4712 Dollar pro Feinunze.
Als Grund hierfür gilt der Liquiditätsbedarf von Investoren. Viele dürften nach dem steilen Anstieg des Goldpreises auch Gewinne mitgenommen haben. Rühl sieht als Sondereffekt auch die Goldverkäufe der türkischen Zentralbank. Diese habe Goldreserven verkauft, um die türkische Lira vor den Schwankungen, die der Iran-Krieg mit sich gebracht habe, zu schützen.





